Viertelfinale von Athen

24.08.2004 20:05 Uhr

Triumph der Handballer im Siebenmeterwerfen

Dank einer Weltklasseleistung von Keeper Henning Fritz und der Nervenstärke von Daniel Stephan setzen sich die deutschen Handballer im Viertelfinale gegen Angstgegner Spanien durch. Der Europameister siegte mit 2:0 im Siebenmeterwerfen. Fast wäre Stefan Kretzschmar bei der an Spannung kaum zu überbietenden Partie zur tragischen Figur geworden.

„Wir hatten schon verloren, aber wir haben uns das Glück verdient. Jetzt wollen wir alles”, sagte „Matchwinner” Stephan sichtlich bewegt.
„Herzlichen Glückwunsch Heiner Brand und seinem Team. Sie haben bis zum Umfallen gekämpft, in einem Sportkrimi, wie ihn der Handball noch nie gesehen hat”, erklärte Bundesinnenminister Otto Schily, der die Nachricht vom Triumph des deutschen Teams am Athener Flughafen erfuhr.
Der für den Sport verantwortliche Minister musste das Spiel schweren Herzens noch während der Verlängerung verlassen, da das Flugzeug wartete. Sichtlich aufgekratzt war Bundestrainer Heiner Brand: „Der unbedingte Wille meiner Mannschaft, diese Begegnung rumzureißen, war jederzeit zu erkennen.”
Bedanken durfte sich Brand bei Stephan, dem Mann mit Nerven aus Stahl. Der Spieler vom Bundesligisten TBV Lemgo riss schon vor dem alles entscheidenden Wurf in der ersten Hälfte der Verlängerung ein fast verloren geglaubtes Spiel aus dem Feuer, als er beim Stand von 26:27 per Siebenmeter ausglich und seine Mannschaft damit im Turnier hielt.
Torhüter Fritz brachte anschließend die Iberer mit gleich drei abgewehrten Siebenmetern zur Verzweiflung, auch die anderen beiden Würfe des Gegners landeten nicht im Tor. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 30:30 (28:28, 27:27, 15:16) gestanden.
Für die DHB-Auswahl war es nach zuvor zwei Niederlagen in Folge das erhoffte Erfolgserlebnis bei Olympia. Im Halbfinale trifft das Team von Bundestrainer Heiner Brand am Freitag auf den Gewinner der Partie zwischen Olympiasieger Russland und Frankreich. Das zweite Semifinale bestreiten Weltmeister Kroatien und Ungarn.
„Jetzt wollen wir unbedingt Gold, das muss unser Anspruch sein. Aber im Moment bin ich nur glücklich”, sagte Kreisläufer Christian Schwarzer (Lemgo) nach der erfolgreichen Revanche. Noch bei Olympia 2000 in Sydney hatte der WM-Vierte Spanien den
Viertelfinal-K.o. der Deutschen (26:27) besiegelt.
Nun allerdings greift die DHB-Auswahl erstmals seit dem Silber von Los Angeles 1984 nach einer Medaille. Beste Werfer vor 8000 Zuschauern im Faliro Pavillion waren Stephan (8/5 Tore) und Christian Schwarzer (9/Lemgo).
Ohne den Hamburger Pascal Hens (Bandscheibenentzündung), den der am Montag nachnominierte Frank von Behren (Gummersbach) nicht ersetzen konnte, zeigte sich die deutsche Mannschaft gegenüber den vorangegangenen Begegnungen vor allen Dingen in der Deckung stark verbessert.
Nicht zuletzt, weil der Kieler Torhüter Fritz (16 Paraden) überragend hielt. Doch nach einer 11:8 (18.)-Führung offenbarte die Brand-Sieben erneut fatale Abschlussschwächen, kassierte sogar in doppelter Überzahl einen Gegentreffer und lag nach 28 Minuten 13:15 zurück. Dank großer Moral und Nervenstärke schaffte der Sydney-Fünfte aber noch die Wende.
Besonders dem Magdeburger Stefan Kretzschmar fiel nach der gelungenen Revanche ein Stein vom Herz. Der 31-Jährige hatte vor vier Jahren in Sydney den entscheidenden Wurf in der Schlussminute an die Latte gesetzt und sich als „Arsch der Nation” gefühlt.
„Davon habe ich immer noch geträumt, das war brutal”, meinte „Kretzsche”, der erneut fast zur tragischen Figur geworden wäre. Der Freund von Schwimmstar Franziska van Almsick scheiterte gleich mit dem ersten deutschen Siebenmeter. Doch diesmal sorgten seine Kollegen für ein Happy End.
(sid)

Kurznavigation