Kein Maulkorb für Stephan

Lippische Landes-Zeitung, Oktober 1999

Jacobsens Beschwerde im Namen der Liga

Lemgo (jh). Wie mündig darf ein Spieler sein? Mit seiner Kritik an der Aufstockung der Bundesliga auf 18 Vereine (die LZ berichtete) hat sich Deutschlands Vorzeigehandballer Daniel Stephan den Zorn von Ligaausschuss-Vorsitzendem Heinz Jacobsen zugezogen. Mittels eines Rundbriefs an alle Erstligaklubs fühlt sich Jacobsen berufen, “im Namen der gesamten Liga die unangemessene Äußerung eines Arbeitnehmers” zu brandmarken. Stephans Kritik sei nicht akzeptabel, weil sich die Vereine aus wirtschaftlichen Gründen einstimmig für eine Aufstockung ausgesprochen hätten. “Also auch sein Arbeitgeber, der TBV Lemgo”, so Jacobsen.

Dort reagiert man gelassen auf den Theaterdonner. “Daniel ist ein mündiger Spieler, und bei uns gibt es keinen Maulkorberlass”, nimmt Geschäftsführer Fynn Holpert den TBV-Regisseur ausdrücklich in Schutz. Zwar habe Jacobsen mit seiner Aussage, dass die Spieler von den Vereinen bezahlt würden, durchaus recht, doch müsse man dringend versuchen, die Spieler angesichts der Terminfülle zu schützen. “Und wenn wir das international nicht können”, so Holpert, “dann müssen wir über die eigenen Strukturen eine Qualitätssicherung vornehmen”. Bereits nach acht Spieltagen hat Holpert leichte Qualitätseinbußen festgestellt. “Wir haben derzeit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, doch ich weiß nicht, ob das für unseren Titel ,Stärkste Liga der Welt’ sinnvoll ist.”

Gleichwohl mahnt Holpert zur Geduld. “Wir müssen das als großes Ganzes betrachten. Natürlich sind die Spitzenvereine stärker belastet und stehen vor zwei harten Jahren. Doch für Vereine wie Dutenhofen oder Minden, die nicht international im Einsatz sind, ist eine 18-er Liga aufgrund der größeren Präsenz sicherlich sinnvoll.” Erstaunlicherweise kann sich Jacobsen dagegen mit einem zweiten Denkansatz von Daniel Stephan viel eher anfreunden. “Mit der Forderung nach einem EM-Verzicht läuft er bei uns offene Türen ein.” Der zweijährige Rhythmus zwischen WM und EM zu den attraktivsten Terminen füge den Bundesligisten schweren wirtschaftlichen Schaden zu, will der Ligaausschuss-Vorsitzende auf internationaler Ebene den Hebel ansetzen. Wie schwer das jedoch ist, weiß auch Ulrich Strombach. Der DHB-Präsident, der Stephans Äußerungen übrigens als Denkanstoß einstuft, verweist auf die unbefriedigenden Erfahrungen mit dem angedrohten EM-Boykott in Kroatien, um einen der Bundesliga genehmeren Termin durchzusetzen. Der Aufschub betrug nur sieben Tage. Das Abstimmungsergebnis von 7:38 Stimmen zeigte dem weltgrößten Handballverbandes deutlich seinen Einfluss innerhalb der EHF auf.

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