Presse
Interview Daniel Stephan
Daniel, Deine erste Saison als Sportlicher Leiter neigt sich dem Ende entgegen. Wie fällt Dein Fazit aus?
Nachdem ich in der letzten Saison schon knapp sieben Monate in Doppelfunktion als Spieler und Sportlicher Leiter tätig war, ist die Aufgabe des Sportlichen Leiters wesentlich intensiver geworden. Zu Beginn war es nicht leicht für mich, den aktiven Handballer einfach so abzulegen, aber die Arbeit als Sportlicher Leiter beansprucht mich sehr, so dass dies dann ein fließender Übergang wurde. Die zeitliche Beanspruchung hatte ich im Vorfeld so nicht erwartet, aber die Arbeit macht unheimlich viel Spaß, ich arbeite sehr viel direkt mit der Mannschaft zusammen und bleibe dem Leistungshandball sehr intensiv verbunden.
Welche Aufgabenbereiche hat der Sportliche Leiter des TBV abzudecken?
Es gab ein klares Arbeitsprofil, das nun umgesetzt wird. Ich bin für den sportlichen Bereich beim TBV Lemgo zuständig. Dies beginnt mit den alltäglichen Dingen rund um die Spiele, Organisation von Auswärtsfahrten, Europapokal- und Freundschaftsspielen oder Vorbereitungsturnieren, sowie aber auch Einzelgespräche mit den Spielern. Zudem bin ich für den Bereich Scouting verantwortlich, nicht nur im Senioren-Bereich wie bei Welt- oder Europameisterschaften, sondern auch ganz gezielt im Nachwuchsbereich. Darüber hinaus bin ich auch für die Personalpolitik des TBV - natürlich in Absprache mit Trainer Baur und Geschäftsführer Zerbe - zuständig, eine strategische Arbeit, die sehr anspruchsvoll ist, aber ebenso viel Spaß macht. Zudem bin ich mit involviert, die Jugendarbeit zu professionalisieren und das von mir gestaltete Jugendkonzept einzuführen und umzusetzen.
Gerade personell hat sich in Deiner ersten Saison viel getan beim TBV. Wie siehst Du die Entwicklung?
Vorab muss ich sagen, dass es mit Sicherheit von Vorteil ist, wenn man sich in diesem Bereich auf Augenhöhe unterhalten und miteinander diskutieren kann. Volker Zerbe, Markus Baur und ich diskutieren sehr viel miteinander, welcher Spieler zu uns passt, welcher Spieler den TBV voranbringen kann. Dies sind sehr fruchtbare Diskussionen und die Ergebnisse stimmen absolut positiv. Mit Ferenc Ilyés konnten wir beispielsweise einen international sehr erfahrenen und renommierten Spieler für uns gewinnen. Mit Holger Glandorf ist uns schon während der laufenden Saison ein besonderer Coup gelungen, er ist ein immens wichtiger Spieler in unserem Konstrukt. Wir sind für die Zukunft in der Breite und der Spitze sehr gut aufgestellt.
Während der Saison haben sich die Ziele des TBV verändert, die Qualifikation für die Champions League soll erreicht werden.
Wie wichtig wäre die Teilnahme an diesem Wettbewerb nächste Saison?
Wir sind mit dem Anspruch gestartet, einen europäischen Startplatz zu erreichen. Bedingt durch unsere hervorragende Hinrunde haben wir natürlich Blut geleckt, unsere Ansprüche sind gestiegen und der Wechsel von Holger Glandorf war ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir haben noch schwere Spiele vor uns, einige Spieler sind verletzt und es wird sicherlich nicht einfach werden. Es wäre wohl kein Beinbruch, die Champions League noch nicht zu erreichen, denn wir sind alles in allem schon einen halben Schritt weiter als wir uns das vor der Saison vorgestellt haben. Aber wir werden natürlich alles dafür geben, die Champions-League-Qualifikation zu erreichen.
Der TBV arbeitet seit Jahren anders als viele andere Vereine, die wesentlich offensiver oder aggressiver versuchen, ihre Ziele umzusetzen. Ist dies ein Vorteil?
Der TBV ist seit Jahren schon sehr persönlich aufgestellt. Mit Volker Zerbe, Markus Baur und mir tragen derzeit drei Personen die Verantwortung, die selbst jahrelang tragende Säulen im Konzept des TBV waren, die sich sowohl mit dem Verein als auch der Stadt und dem gesamten Umfeld identifizieren können, die mit Herzblut bei der Sache sind. Dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass wir authentisch, ehrlich und zuverlässig bei Fans und Sponsoren ankommen und dass der TBV ein solch positives Image hat. Diese Werte werden beim TBV von allen beteiligten Personen seit Jahren gelebt, das ist natürlich ein Vorteil.
Du hast den Bereich Jugend schon angesprochen. In welche Richtung soll dieses Konzept führen?
Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, das würden den Rahmen sprengen, kann man sagen, dass wir den gesamten Jugendbereich professionalisieren wollen. Bereits von der B-Jugend an muss die Vernetzung Richtung Seniorenbereich greifen. Das heißt, dass wir beispielsweise die Spielsysteme voll auf die 1. Mannschaft ausrichten, so dass bereits im Jugendalter die gleichen Konzeptionen gespielt werden wie bei den Profis. Wir werden altersübergreifend trainieren und spielen, so dass Talente so früh und so schnell wie möglich höherklassig spielen können. Sprich, ein B-Jugendlicher sollte durchaus in der Lage sein, in der A-Jugend zu spielen, ein A-Jugendlicher in der Regionalliga im Seniorenbereich und als letzte Stufe soll das Ziel sein, dass auch ein Spieler der 2. Mannschaft bei den Profis aushelfen kann. Dies hört sich einfach an, die Umsetzung dürfte bei den Zielen und Ansprüchen des TBV aber nicht so einfach sein.
Man darf nicht vergessen, dass wir zwei Ziele verfolgen: Den Leistungssport und den Breitensport. Wir sind nicht so vermessen und glauben, dass wir jedes Jahr einen Bundesliga-Spieler aus dem Jugendbereich hervorbringen können. Wir stehen am Anfang des Konzeptes und das Fernziel ist sicherlich auch, Profi-Handballer auszubilden, die den Ansprüchen eines TBV Lemgo genügen. Aber Aspekte wie soziale Entwicklung der Jugendlichen, Förderung von Teamgeist oder Fairness sind ebenso Komponenten, die in unseren Überlegungen eine Rolle spielen.
Wie sieht Deine persönliche Zukunftsplanung aus?
Mein Vertrag beim TBV Lemgo läuft bis 2011. Ich freue mich auf diese Zeit, da hier einiges bewegt und auf die Beine gestellt werden kann. Im Sommer dieses Jahres werde ich zunächst meine Trainer-B-Lizenz machen, der dann später auch einmal die A-Lizenz folgen soll. Ich kann mir gut vorstellen, auch nach 2011 noch als Sportlicher Leiter für den TBV tätig zu sein, genau so kann ich mir vorstellen, als Trainer tätig zu werden. Das ist Zukunftsmusik, aber eines ist sicher: Ich werde dem Handball verbunden bleiben, denn ihm habe ich alles zu verdanken. Ich habe im Handball fast alles erreicht und möchte dies auch sehr gerne weitergeben.