HANDBALL - Stephan beendet Karriere im Nationalteam

Spiegel 22.11.2005

HANDBALL

Stephan beendet Karriere im Nationalteam

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft muss künftig ohne Daniel Stephan auskommen. Der Lemgoer tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Damit fehlt der Rückraumspieler der DHB-Auswahl schon am kommenden Wochenende - und macht so seinen Club glücklich.

Dortmund - Stephan begründete seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Beschwerden. “Die Probleme sind eher schlimmer als besser geworden”, sagte er auf einer Pressekonferenz in Dortmund, “mein Körper lässt diese Mehrfachbelastung einfach nicht mehr zu. Vor allem die Schmerzen im Ellenbogen sind inzwischen chronisch. Ich glaube nicht an Wunder, deshalb ziehe ich den Schlussstrich unter meine internationale Karriere.” Zuletzt hatte der 32-Jährige beim Supercup in Deutschland wegen einer Zerrung im Oberschenkel passen müssen, Anfang des Jahres klagte Stephan über Achillessehnenbeschwerden. Der Rückraumspieler des Bundesligisten TVB Lemgo bestritt für die DHB-Auswahl 183 Länderspiele und erzielte 590 Tore.

Schließlich hatte ich mit der Nationalmannschaft noch große Ziele”, so Stephan. “Seine Gedanken kann ich nachvollziehen. Ich akzeptiere die Entscheidung, auch wenn mir das schwer fällt”, sagte Bundestrainer Heiner Brand. “Der Schritt ist konsequent. Aber natürlich ist das nicht nur ganz bitter für Daniel, sondern auch für unsere Mannschaft”, fügte Brand an.

Stephan, der am 14. Mai 1994 im Nationalteam debütierte, steht Brand damit schon in den beiden Länderspielen gegen Slowenien am Freitag (20 Uhr) in Lemgo und zwei Tage später in Dortmund (15 Uhr) nicht mehr zur Verfügung. Dort sollte der torgefährliche Spieler, der 2004 Europameister wurde und die olympische Silbermedaille holte, sein Comeback in der Nationalmannschaft feiern.
Eigentlich wollte Stephan, der als einziger Welthandballer (1998) wegen zahlreicher Verletzungen nie an einer WM teilnehmen konnte, auch noch bei der Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland spielen. 1995 saß er bei der WM nur auf der Bank, 1997 war Deutschland nicht qualifiziert. 1999 und 2001 verhinderte eine Daumenoperation Stephans WM-Teilnahme. Auf die Titelkämpfe 2003 (Achillessehne) und 2005 (Ellenbogen) musste er ebenfalls verzichten.

Vom internationalen Rücktritt seines Stars dürfte Lemgo profitieren. In Zukunft kann sich Stephan voll auf den zweimaligen deutschen Meister (1997 und 2003) konzentrieren, wo er bis 2008 unter Vertrag steht. “Ich glaube, dass ich diesen Rhythmus noch schaffe”, so Stephan, “aber ein großes internationales Turnier mit acht Spielen in zehn Tagen wäre für meinen Körper nicht mehr möglich.” Erfreut zeigte sich TBV-Manager Fynn Holpert: “Das ist ein tolles Votum für den Verein, aber wir haben ihn nicht zu dieser Entscheidung gedrängt.”

Rückraumspieler Stephan (l.): Einziger Welthandballer ohne WM-Teilnahme

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