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Der Mann für das Besondere
Sport1 - 08.09.2000 10:47 Uhr
Sydney - Daniel Stephan hat viel erlebt in den vergangenen Monaten. Verletzungen haben ihn immer wieder aus der Bahn geworfen. Doch er ist zurückgekommen. Olympia bedeutet für ihn einen neuen Anfang im Nationaltrikot. Stephan ist für das Team enorm wichtig: Er ist der Mann für das Besondere. Ein halbes Jahr musste der Welthandballer von 1998 nach einem Daumenbruch, verbunden mit drei komplizierten Operationen, pausieren. Rechtzeitig zur Vorbereitung auf die neue Saison wurde der Spielmacher wieder fit.
Doch die Leidensgeschichte ging nicht zu Ende. Am vierten Bundesliga-Spieltag prellte sich Stephan im Spiel bei der SG Wallau/Massenheim die Schulter - Olympia war in Gefahr.
Mittwoch konnte der 27-Jährige endlich aufatmen. Auch Stephan bestieg den Flieger Richtung Sydney. Daran gezweifelt habe er “nie”, erzählt der Lemgoer Star im Sport1 -Interview. Dennoch: Die Freude über die Teilnahme an Olympia 2000 ist groß.
Stephan - der Denker und Lenker
Stephan ist ein wichtiger Baustein im Mosaik von Bundestrainer Heiner Brand. Er ist der Denker und Lenker. Wie wichtig ein gesunder Daniel Stephan in Top-Form ist, zeigte die EM 1998 in Italien. Damals führte der Rechtshänder das Team zur Bronzemedaille - zwei Jahre später in Kroatien konnte ein gehandicapter Daniel Stephan den Absturz auf Rang neun nicht verhindern.
Drei Daumen-Operationen
Nach der EM ließ sich Stephan an der verletzten rechten Hand operieren. Der Daumen war gebrochen. Drei Operationen musste Stephan über sich ergehen lassen. Dann offenbarten ihm die Ärzte: “Was wir uns vorgestellt hatten, hat nicht geklappt.” Für Stephan war es ein “Schock. Der Daumen ist in Mitleidenschaft gezogen. Er hat nicht die gleiche Stellung wie vorher.” Lange wurde beraten, wie es weitergeht. Noch eine Operation? Die Ärzte entschieden sich für eine monatelange Reha.
Aufbautraining in Reutlingen
Für acht Wochen zog Stephan nach Reutlingen, arbeitete dort mit Nationalmannschafts-Physiotherapeut Peter Gräschus an einem Comeback. “Wir haben alles getan, was möglich war. Und wir hatten Glück. Es hat sich herausgestellt, dass keine weitere Operation nötig war”, erzählt Stephan. “Es ging für mich nicht um die Teilnahme an Olympia, sondern darum, dass ich überhaupt wieder fit werde”, meint er. Das gelang. In der Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison steigerte sich Stephan kontinuierlich.
Auch die Schulterverletzung, die er sich im Spiel bei Wallau/Massenheim zuzog, konnte den Lemgoer nicht aus der Ruhe bringen. Er ist zuversichtlich, in Sydney eine gute Rolle zu spielen: “Ich weiß, dass ich dem Team genügend Impulse geben kann, und das weiß auch der Bundestrainer.”
Stephan will seine Klasse beweisen
Der Star-Handballer ist “heiß” auf die Spiele. Er will beweisen, dass er noch immer zu den besten Handballern der Welt gehört. Er will Verantwortung übernehmen.”Ich arbeite noch an der Wurfkraft und an der Zielgenauigkeit. Das dauert seine Zeit. Man muss Geduld haben. Ich weiß, dass es kommt. Ich habe das Gefühl, dass es kommt.”
Ein Stephan in Topform - er macht den Unterschied zwischen Mittelmaß und Extraklasse aus. Das DHB-Team atmet auf: Der Mann für das Besondere ist wieder da.
Klaus Schwarz