Daniel Stephan zieht trotz allem positives WM-Fazit

Daniel Stephan analysiert das deutsche WM-Abschneiden.

“Der Umbruch ist gelungen”

Die deutschen Handballer haben das Halbfinale bei der WM verpasst. Kein Grund zur Trauer, meint Daniel Stephan, der Sportliche Leiter des Bundesligisten TBV Lemgo. Der Welthandballer von 1998 hat auch viele positive Ansätze in Kroatien gesehen.

Herr Stephan, starke Vorrunde der deutschen Mannschaft bei der WM, dann das bittere Aus nach der Hauptrunde - wie beurteilen Sie das Abschneiden der DHB-Auswahl in Kroatien?

Daniel Stephan: Es ist nicht einfach, ein Resümee zu ziehen. Vor der WM hat man gesagt, wenn alles passt, wirklich alles, dann kann man vielleicht das Halbfinale erreichen. Wenn man dann mit 4:0 Punkten in die Hauptrunde einzieht und drei so knappe Spiele hat, ist es schwierig, ein Urteil zu fällen. Eigentlich ist man mit dem Abschneiden zufrieden, aber doch so enttäuscht, den Big Point nicht gemacht zu haben.

Die Schiedsrichterleistungen wurden von deutscher Seite arg kritisiert. Ist das deutsche Team verpfiffen worden?

Daniel Stephan: Ich sage es mal so: Es waren durchweg schlechte Schiedsrichterleistungen bei dieser WM. Das ist uns allen schon bei der Vorrunde aufgefallen. Wenn man das gestrige Spiel nimmt, dann haben die Schiedsrichter eigentlich einen guten Job gemacht, aber einen entscheidenden Fehler begangen, der zum Spielausgang beitrug. Wir dürfen aber nicht alles auf die Schiedsrichter schieben. Wir hatten es selbst in der Hand, ins Halbfinale zu kommen und hätten nur ein Tor in den beiden Hauptrundenspielen mehr machen müssen. Es ist zu einfach zu sagen, nur die Schiedsrichter seien schuld.

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Es kursierte auch die These, die Deutschen hätten nun die Quittung dafür bekommen, dass sie bei der WM vor zwei Jahren im eigenen Land sehr begünstigt worden wären …

Daniel Stephan: Das sollte man nicht außer Acht lassen. Es ist einfach so, dass die Gastgebermannschaft Vorteile hat. Man hatte nun vielleicht das Gefühl, bei der WM vor zwei Jahren habt ihr ein paar Pfiffe bekommen, dann kriegt ihr jetzt ein paar gegen euch. Wir müssen jetzt aber nicht den Fehler machen und nur über die Schiedsrichter diskutieren. Wir können uns auch freuen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die sich prächtig bei dieser WM entwickelt hat. Wenn man sieht, wer alles auf der Platte stand. Das fängt mit Schöne an, Müller, Kaufmann, Klein, Strobel und Heinevetter, das sind alles junge Spieler, die positiv für die Zukunft hoffen lassen.

Bundestrainer Heiner Brand hat nach Olympia einen großen Umbruch im Team vollzogen. War dieser Schritt richtig?

Daniel Stephan: Ja, der Umbruch ist vollzogen, und er ist gelungen. Die Mannschaft ist schon ein Stück weiter, als man gedacht hat. Gut, die Unerfahrenheit war es, dass wir es nicht ins Finale geschafft haben. Aber daraus ziehen die jungen Spieler ihre Lehren. Und bei der nächsten Europameisterschaft in Österreich sieht die Sachlage vielleicht wieder ganz anders aus. Dann macht man vielleicht den Big Point. Insofern war diese WM ganz, ganz wichtig für diese jungen Spieler.

EM-Vierter, Olympia-Enttäuschung und nun das vorzeitige WM-Aus - muss sich die deustche Mannschaft nach dem WM-Gewinn 2007 aus der Weltspitze wieder verabschieden?

Daniel Stephan: Nein. Olympia war sicher Enttäuschung pur. Aber wenn man den vierten Platz aus Norwegen nimmt und jetzt dieses Turnier, dann kann man nicht sagen, wir sind nicht mehr Weltspitze. Ich finde, man hat es auch gar nicht so gemerkt, dass es einen Umbruch gegeben hat. Ich glaube, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben und nicht nach hinten, wenn man die letzten beiden Turniere vergleicht.

Wer wird der Nachfolger der Deutschen als Weltmeister?

Daniel Stephan: Vor dem Turnier habe ich gesagt, dass Kroatien und Frankreich im Finale stehen. Daran glaube ich auch nach wie vor. Die Franzosen haben jetzt ein bisschen im Hauptrundenspiel gepokert. Also, ich tipp mal auf Frankreich.

Das Gespräch führte Jens Mickler

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