Daniel Stephan nimmt Abschied
Mittwoch, 23. November 2005 04:00
Der deutsche Handball muß eine Hiobsbotschaft verkraften, die so überraschend allerdings nicht mehr kommt: Daniel Stephan hat seinen gesundheitlichen Problemen Tribut gezollt und seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. “Mein Körper läßt diese Mehrfachbelastung einfach nicht mehr zu. Vor allem die Schmerzen im Ellenbogen sind inzwischen chronisch. Ich glaube nicht an Wunder, deshalb ziehe ich den Schlußstrich unter meine internationale Karriere”, erklärte der Welthandballer von 1998 gestern auf einer Pressekonferenz in Dortmund.
Bundestrainer Heiner Brand zeigte für die Entscheidung von Stephan Verständnis. “So schwer es mir auch fällt, ich kann seinen Entschluß nachvollziehen. Der Schritt ist konsequent. Aber natürlich ist das nicht nur ganz bitter für Daniel, sondern auch für unsere Mannschaft”, sagte Brand, der ohnehin schon mit zahlreichen Personalproblemen zu kämpfen hat.
Stephan bestritt für die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) 183 Länderspiele, stand aber nie bei einer Weltmeisterschaft auf dem Feld. 1995 war er zwar im Kader, wurde aber nicht eingesetzt. 1997 war das DHB-Team nicht qualifiziert. Bei den Titelkämpfen von 1999 bis 2005 fehlte Stephan wegen Verletzungen. Ein Daumenbruch verhinderte die WM-Teilnahme 1999 in Ägypten. Auf die Titelkämpfe in Frankreich 2001 (erneute Daumenoperation), Portugal 2003 (Achillessehnenriß) und Tunesien 2005 (Ellbogen) mußte er ebenfalls verzichten.
“Es gibt trotzdem keinen Grund, sich zu beklagen. Ich habe in der Nationalmannschaft schöne Zeiten erlebt und bin insbesondere Heiner Brand für seine Unterstützung dankbar”, sagte der 32jährige, der das Jahr 2004 mit dem EM-Titel sowie Silber bei den Olympischen Spielen in Athen als “absolutes Highlight” bezeichnete. Im Finale gegen Kroatien lief er zum letzten Mal für Deutschland auf.
Eigentlich hatte der Rückraumspieler noch einmal die Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land als großes Ziel ins Visier genommen, doch daraus wird nun nichts mehr. Stephan steht Brand damit auch nicht mehr in den beiden Länderspielen gegen Slowenien am Freitag in Lemgo und zwei Tage später in Dortmund zur Verfügung. Dort sollte er sein Comeback im DHB-Team feiern, nachdem er beim heimischen Supercup wegen einer Zerrung im Oberschenkel passen mußte. Doch diesmal waren es wieder die hartnäckigen Ellbogen-Probleme, die den Einsatz nicht mehr zulassen.
Seinen bis 2008 laufenden Vertrag beim Bundesligisten TBV Lemgo will Stephan allerdings möglichst erfüllen. “Ich glaube, daß ich diesen Rhythmus noch schaffe”, meinte er. “Aber ein großes internationales Turnier mit acht Spielen in zehn Tagen wäre für meinen Körper nicht mehr möglich.”