Daniel Stephan - kein Star wie jeder andere

08.08.2000, Handball-World

Die meisten Handball-Fans kennen Daniel Stephan nur als Sportler aus der Halle. In Lemgo kennen die Fans aber auch einen anderen Daniel Stephan. Bereits auf dem Weg zu Fuß ins Cafe, indem wir das Interview mit einem Frühstück kombinieren wollen, wird das schnell klar. Jeder in Lemgo kennt Daniel Stephan, in Lemgo zumeist einfach nur Daniel und erkundigt sich nach dem Befinden, oder tauscht so ein paar Worte mit dem Spieler des TBV aus.

Star-Allüren scheint er gar nicht zu kennen. Ein kurzes Gespräch mit den Leuten auf der Straße ist für ihn genauso selbstverständlich und gehört für ihn einfach dazu, wie das Torewerfen. Der aus Rheinhausen stammende Nationalspieler kennt da keine Berührungsängste. Ebensowenig wie auch im Urlaub. Den hat er beinahe schon traditionell mit einigen Mitspielern wieder in Cala Ratjada auf Mallorca verbracht. Auch dort würde man zu dieser Zeit auf viele Handball-Mannschaften, ob Kreis- oder Bundesliga, treffen und das mache ihm Spaß. Genauso wie Interviews geben, gerne dürfe ich ihn auch alles Private fragen, bloß über Freundin Ilka möchte er nicht reden, daß sei ein Teil seines Privatlebens den die Öffentlichkeit nicht unbedingt kennen muß.

Und auch ansonsten bleibt ihm nicht so viel Privatleben wie er sich wünscht. Das Handballer-Dasein ist noch zeitintensiver geworden. Denn neben den Trainingseinheiten und den Spielen, steht auch die Pflege des eigenen Körpers, z.B. mit Massagen u.ä., auf dem Terminkalender. Dazu kommt noch das ganze Drumherum, wie Interviews, Werbeaufnahmen und Autogrammstunden. Zudem sei er einfach nicht der Mensch, der um 6 Uhr morgens aufsteht, bis 23 Uhr durchpowert und dann ins Bett fällt. Er braucht auch seine Ruhepausen nebenbei, in denen er viel fernsieht, aber auch viel liest. Neben Zeitschriften und Zeitungen hat er z.B. als letztes von John Grisham: „Die Kammer” gelesen.

Auch wenn es ihm wenig behagt, da er dem Profi-Handbal noch einige Jahre erhalten bleiben will, beschäftigt er sich schon jetzt mit dem Leben nach dem Handball. Seine Ausbildung zum Bankkaufmann hatte er damals abbrechen müssen, weil der Handball einfach zu zeitaufwendig war. Zeit ist auch jetzt das Problem, bei seinem Sportstudium in Bielefeld. In den letzten zwei Semestern hat er pausiert, auch aufgrund der Verletzungen und der Reha, doch im nächsten Semester, das kurz nach Olympia wieder beginnt, will er wieder angreifen. An der Uni hat er bisher keine Probleme mit Komilitonen gehabt, es gibt zwar ab und zu Autogrammwünsche aber die empfindet er nicht als störend. Sportler seien halt doch ein anderer Menschenschlag, mit denen man sehr gut auskommen kann. Eher unschön findet er es, wenn ihn Kamerateams in die Uni begleiten, aber das würde nun einmal zu seinem Job dazugehören, und sei außerdem ja auch die Ausnahme. Gerne würde er auch in der Uni-Mannschaft mit Handball spielen, da die Bielefelder Auswahl auch sehr erfolgreich ist, doch leider läßt dies sein Terminplan nicht zu.

Das Schwimmen bereitet ihm noch ein wenig Sorge und ebenso die Veranstaltung Einführung in Gymnastik und Tanz, die jeder Diplom-Studierende als Pflicht belegen muß. Am Abschluß dieser Veranstaltung steht eine eigene Kür, in der dann jeder Studierende sein Können beweisen muß. Bei dem Zwei-Meter-Mann aus Ostwestfalen wird diese Kür mit Sicherheit einen hohen Unterhaltungswert haben.

Nach seinem Spielerkarriere kann er sich gut einen Wechsel in die Trainerbranche vorstellen. Er erhofft sich von seinem Studium dafür auch das notwendige Hintergrundwissen. Ab und zu trainiert er dafür auch schon mit einer Jugendmannschaft des TBV. Gerne würde er eine Mannschaft ganz übernehmen, aber bisher läßt es die Zeit leider nicht zu, da bleibt es bei einigen Trainingseinheiten in der Saison. Auch die Tätigkeit als Co-Moderator bei internationalen Großveranstaltungen würde ihn reizen.

Das Studium bereitet ihm auch deshalb sehr viel Spaß, weil er generell sehr sportinteressiert ist. Am Fernsehen verfolgt er fast jedes Sportereignis, z.B. die Tour de France, glücklicherweise war zu dieser Zeit zumeist trainingsfrei. Selber solche Berge in Angriff zu nehmen kann er sich aber nicht, ihm reichen schon die paar Meter im Fitness-Studio zum aufwärmen. Genausowenig habe er Ambitionen mal einen Marathon oder Triathlon bestreiten, er sei eben mehr der Hallensportler.

Sein Herz schlägt aber auch noch für einige Außensportarten, wie z.B. den Fußball. Seine Mannschaft ist da der 1. FC Köln, bei dem ihm Typen wie Toni Schuhmacher, Pierre Littbarski und Thomas Häßler begeistert haben. Und auch jetzt über den Aufstieg mit Ewald Lienen hat er sich gefreut und hofft in der ersten Liga häufiger bei Spielen vorbeischauen zu können, aufgrund des Terminplanes der Handball-Bundesliga dürfte dies aber wohl nur schwer möglich sein. Ab und zu schaut er auch in Bielefeld vorbei und natürlich drückt er als gebürtiger Rheinhausener auch dem MSV Duisburg die Daumen.
In der letzten Saison war er auch in Dortmund im Stadion und zum Championsleague-Halbfinale ist er von der Reha mal kurz rüber nach München und hat sich das Spiel gegen Real Madrid angesehen.

Bei der Fußball-EM fühlte er, wie die meisten anderen Fans auch. Er wolle aber nicht der Mannschaft die alleinige Schuld geben, daß sei eben das Problem mit der Presse, entweder man würde in den Himmel hochgejubelt oder man wird fallengelassen und es wird immer weiter auf einen eingeschlagen. Auch die Geschichte mit dem Frustbetrinken kann er als Sportler nachempfinden. Oftmals würden solche Sachen ihre Eigendynamik entwickeln. Schade findet er, daß Lothar Matthäus nach allem, was er für den deutschen Fußball und Sport getan hat, keinen würdigeren Abschied bekommen hat.

Er selbst hat sich mit der Presse mitlerweile arrangiert. Früher habe er sich über manche Meldungen noch aufgeregt, heute sei er da ruhiger geworden. Auch, weil er heutzutage die Möglichkeit hat, bestimmte Sachverhalte aus seiner Sicht darzustellen, z.B. in Form der zweiwöchigen Kommentare auf unseren Seiten. Und über einige Überschriften, wie „Der Vollstrecker” (Bravo-Sport), „Ein Mann, der alles kann” (Kicker) und „Der Mann mit dem goldenen Arm” (Stern), liest er eher lächelnd hinweg. Soetwas gehöre halt zu seinem Beruf dazu, er weiß aber auch ganz genau, daß sich das Blatt sehr schnell wenden kann.

An seine Bundeswehrzeit erinnert sich der Welthandballer des Jahres 99 auch noch recht gerne zurück. Mit seinem Freund Achim Schürmann war er zunächst in der gleichen Grundausbildungseinheit. Da war das Leben relativ hart, da neben der Ausbildung auch noch die harte Saisonvorbereitung in Rheinhausen stattfand. Ds hieß 4.30 Uhr aufstehen, Ausbildung bis 17 Uhr, dann zum Training und zum verlängerten Zapfenstreich um 24 Uhr ins Bett fallen, und das für drei Monate. Danach in der Sportförderkompanie war es dagegen um einiges ruhiger, und Daniel hatte die Zeit sich mehr dem Handball zuzwenden. Die Bundeswehr habe so auch einen positiven Einfluß auf seine Karriere gehabt, da er in den folgenden zwei Jahren sich vollends auf den Handball konzentrieren konnte.

An zwei Themen kann man in einem Gespräch mit Daniel Stephan auch nicht vorbei. Autos und Aktien. Zur Zeit fährt er einen 5er-BMW und manchmal auch einen Corsa. Sein erstes Auto war übrigens ein Fiesta, denn er damals von Rheinhausen zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Nach einiger Zeit mußte er das Auto weitergeben an einen anderen Spieler und bekam einen Corsa. Der Fiesta hielt übrigens nur noch gut zwei Wochen. Autofahren ist für ihn mehr als nur Reisen, und er fährt daher auch gerne schnell.

Aber bei dem engen Terminplan eines Handball-Profis sind lange Autofahrten auch immer eine zeitliche Belastung. Daher liegt sein letzter Besuch bei seinen Eltern auch schon ein wenig zurück. Zu Geburtstagen und an Weihnachten sei aber mindestens immer da, auch wenn er dieses Mal den Geburtstag seiner Mutter verpaßt hat, da er in Süddeutschland bei der Reha war. Auch viele Freunde aus seiner Zeit bei Rheinhausen hat er noch, leider sieht er diese auch zu selten, aber und zu kommen sie ihn in Lemgo besuchen.

Zu Aktien sei nicht viel zu sagen. Ein Aufenthalt in der Wertpapierabteilung während seiner Ausbildung hat ihn in der Hinsicht geprägt. Auch wenn er ab und zu auch mal Geld in eher spekulative Papiere investiert, gehöre er zu den konservativen Anlegern. Schließlich müsse er sich ja auch ein wenig für das Leben nach dem Handball absichern. Einen Test, wie gut er den Videotext von n-TV kennt, hat er übrigens bestanden. Selbst die Seiten von einigen Nebenwerten, wie Singulus oder Cargolifter waren ihm bekannt. Glücklich ist er auch über die Neuerungen des InterNet, denn dadurch würde man auch an Informationen zum Beispiel über amerikanische Papiere kommen, die hier in Deutschland in der Presse und im Videotext nicht verzeichnet sind.

Thema Internet, oft besuchte Seiten von ihm sind, neben natürlich den Seiten von www.handball-world.de, z.B. yahoo oder sport1. Ein Surftip hat er für die User von handball-world auch parat: www.joop.de.

Im Internet sieht er auch eine große Chance für den Handball-Sport bei dessen Vermarktung noch einiges getan werden könnte. Sehr zufrieden sei er mit den Übertragungen des DSF, die Kameraeinstellungen und Zeitlupen wären wirklich fantastisch. Er würde sich bloß wünschen, daß ein paar Spiele übertragen werden würden.
Auch in den Zeitungen sind seiner Meinung nach die Berichte von der Handball-Bundesliga etwas dürftig. In den meisten Meldungen würde man doch nur einige kurze Sätze aus Flensburg und Kiel lesen und dazu die Ergebnisse der anderen Spiele. Auch im Internet könne sich die Sportart und die Liga noch besser präsentieren.

Sein Verhältnis zum anderen deutschen Weltstar, zu Stefan Kretzschmar bezeichnet er als sehr gut. Er und Kretzsche würden sich ganz gut verstehen. Daß er aber die treibende Kraft zu nächtlichen Ausflügen sei, wie es Kretzsche behauptete, bestreitet er. So ein verbaler Schlagabtausch gehöre bei den beiden einfach dazu.

Inzwischen sind gut zwei Stunden vergangen und die Bedienung räumt den Tisch bereits ab. Gesprochen haben wir über noch viel mehr, aber leider kann man hier in einem Artikel nicht das ganze Gespräch wiedergeben. Ich hoffe aber, daß es nicht das letzte Interview dieser Art mit Daniel Stephan gewesen ist, und falls Ihr noch irgendwelche weitere Fragen an Daniel habt, so besucht doch einfach seine Homepage und schreibt ihm eine Mail. Denn auch hier ist Daniel ein Star zum Anfassen und beantwortet die meisten Postings zu seiner Kolumne persönlich.

Es bleibt mir nur noch mich bei Daniel für das Gespräch zu bedanken und ihm und seiner Freundin Ilka viel Spaß auf der Expo zu wünschen.

Von Christian Ciemalla

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