Auflösungsvertrag mit TBV Lemgo
Im Frühjahr 1994 unterschrieb Daniel Stephan seinen ersten Vertrag beim TBV Lemgo. Gestern wurde der gemeinsame Pakt nach knapp 16 Jahren gelöst. Ursprünglich lief sein Vertrag bis 30. Juni 2011.
Wie fühlt es sich an als „freier Mann”? Haben Sie selbst die Verhandlungen geführt?
Daniel Stephan: Meine Spielerverträge habe ich immer selber ausgehandelt. Doch in diesem Fall habe ich mir fachlichen Rat geholt. Mein Anwalt, Marcus Vosen aus Detmold, hat alle Gespräche mit dem TBV und der Heristo AG geführt. Schon Ende Oktober, nach der ersten Runde, zeichnete sich ab, dass beide Parteien eine schnelle Trennung wollten. Nun haben wir eine Lösung gefunden, mit der alle zufrieden sein können.
Trainer, Manager, Reporter - in welcher Funktion werden wir Daniel Stephan künftig erleben?
Stephan: Meine beruflichen Absichten lote ich gerade aus. Es gibt verschiedene Optionen. Ich hatte zwischenzeitlich schon die Möglichkeit, bei einem Bundesligisten ins Management mit einzusteigen. Erst mal werde ich im Juni mit der Trainer-A-Lizenz starten. Ich kann mir aber auch vorstellen, weiter im Management zu arbeiten oder eine Funktion im Verband zu übernehmen.
Ihr Lebensmittelpunkt bleibt Lemgo?
Stephan: Das kommt natürlich drauf an, wo mich mein Beruf hinführt. In jedem Fall fühle ich mich sehr wohl in Lemgo. Und es wäre schön, wenn das so bleiben könnte.
Wenn Sie die teilweise traurigen Auftritte des TBV in der Hinrunde betrachten, empfinden Sie dann Schadenfreude, Mitleid, oder kommt der Gedanke auf, dass es unter einem selbst ähnlich hätte laufen können?
Stephan: Man spielt verschiedene Gedankengänge durch, wenn man zuhause vorm Fernseher sitzt. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Volker Mudrow und auch zu einigen Spielern. Da schwankt man dann: Einerseits weiß ich, wie die Freude leiden. Andererseits sieht man, dass die Trennung von Markus Baur und mir nichts gebracht hat. Geärgert habe ich mich über einige Äußerungen in der Öffentlichkeit. In der vergangenen Saison war Platz fünf unser Ziel. Am Ende sind wir sogar Vierter geworden. Zu sagen, dass sich negative Tendenzen schon in der Rückrunde abgezeichnet haben, finde ich nicht okay. Wenn wir am vorletzten Spieltag in Minden gewonnen und statt dessen zuvor gegen Kiel verloren hätten - keiner hätte etwas gesagt. In der gesamten letzten Saison gab es nur vier Verlustpunkte zuhause. Jetzt ist der TBV schon zur Halbserie bei sieben Miesen. Da kann keiner erzählen, dass sich die Beurlaubungen ausbezahlt haben, oder dass es positiver gelaufen ist.
Waren Sie eigentlich schon mal wieder in der Lipperlandhalle?
Stephan: Nein, die Empfindungen sind einfach noch zu frisch. Ich würde zwar viele Freunde und Bekannte in der Halle treffen, aber auch Menschen, auf die ich im Moment gut verzichten kann. Bewusst habe ich dem DSF übrigens gesagt, dass ich vorerst keine TBV-Spiele kommentieren möchte.
Trotzdem eine Frage an den Experten: Was muss passieren, dass es beim TBV wieder voran geht?
Stephan: Ich hatte ja meine eigenen Visionen. Unter anderem wolte ich mit viel Ehrgeiz die Jugend pushen, habe Niels Pfannenschmidt als Jugendkoordinator geholt. Zu mehr kam es leider nicht. Jetzt ist der TBV auch nicht mehr meine Baustelle. Deshalb maße ich mir auch keine schlauen Ratschläge an.
Klare Stellung haben Sie während der EM zu Michael Kraus bezogen…
Stephan: Ich bin wegen dieser Kritik schon mehrfach angesprochen worden. Doch bin ich kein Sportlicher Leiter mehr und muss auch nicht mehr TBV-taktisch reden. Mimi wird es nie schaffen, eine Mannschaft zu führen. Doch deshalb ist er ja kein schlechter Mensch. Er hat andere Stärken. Wenn seine Dynamik und Explosivität zurückkehren, wird er auch zur Form zurückfinden.
Es bestand immer ein enger Kontakt zu Fynn Holpert. Wirds auch künftig wieder gemeinsame Urlaube geben, oder ist die Freundschaft zerbrochen?
Stephan: Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Im Moment haben wir keinen Kontakt.
Das Interview führte Jörg Hagemann
